Es ist schon so eine Sache – Strausberg und seine Stadt-Jubiläen… Aus meiner Erinnerung, vom Erzählen von Mutter und Großvater her, weiß ich, dass es im Jahre 1932 die 700 – Jahrfeier gegeben hat. Im Jahre 1957 habe ich selbst „aktiv“ als 11-Jähriger an der 725 – Jahrfeier teilgenommen. Es war nach meinen Erinnerungen ein durchaus langer Umzug, mit vielen Menschen und Themen – Wagen, welcher sich durch die Stadt bis hin zum damaligen „Aufmarschplatz“ zog, der sich zwischen den Haltestellen „Wolfstal“ und „Hegermühle“ befand. Seit vielen Jahren ist dort die Kreuzung Straße von der Umgehungsstraße / Berliner Straße. Damals führte der durchaus etwas bescheidenere Verkehr noch über die schräge Straße am Pfuhl vorbei. Alte Strausberger wissen das wohl noch. Von dieser 725 – Jahrfeier existierte bei meinem Großvater noch das Heftchen der damaligen „Kleinen Chronik…“ anlässlich der Feier. Die habe ich nach dem Tode meines Großvaters vor 27 Jahren übernommen und gut verwahrt. Schon damals gab es scheinbar genügend “Sponsoren”, nach heutigem Verständnis funktionieren nur so solche oä. Veranstaltungen. Es waren meist traditionelle Strausberger Firmen, teils noch zu dieser Zeit privat, die den Zug durch eigene Teilnahme als auch wegen der Themengestaltung der verschiedenen Zeitabschnitte der Stadtgeschichte mit übernahmen.
Somit hätte demnach 1982 die 750 – Jahrfeier stattfinden müssen. Die Strausberger hatten gewartet und gehofft – aber denkste. Zu dieser Zeit arbeitete ich bei der damaligen Gebäudewirtschaft und mit mir im Büro saß der Kollege Klaus, der als damaliger Abgeordneter der Fraktion der FDJ angehörte. Der erklärte mir, warum im Jahr 1982 hinsichtlich der Jahresfeier seitens der Stadt alles „ruhig“ gehalten wurde. Er sagte mir damals, dass die Stadt kein Geld dafür hatte, es gab inzwischen nicht mehr „all zu viele“ interessierte Privatfirmen. Die sind bei der großen Verstaatlichungswelle von 1972 meist umgewandelt worden, enteignet, die jetzt VEB’s „blubberten“ finanziell so daher, weil jede „freie“ Mark dann Staats-Geld war. Also 1982 war es dann nix mit Jubiläum, aber es gab dann ein Jahr später die neue Erklärung der jetzt dann geltenden Historie der Wurzeln unserer Stadt. Das was bisher Generationen Strausberger in ihrer Schulzeit lernten, dass die Stadt 1232 Stadt wurde, war nun nach toller sozialistischer Geschichtsdeutung ganz anders. Also haben sich wohl auch meine Lehrer der Geschichte, einige waren auch „stramme“ und „unverrückbare“ Sozialisten (so hieß das damals), sehr geirrt und waren von der „alten überkommenen Geschichte“ der Stadt nebst Geschichtsquellen auf den Holzweg gebracht worden ohne sich darauf zu verirren und brachten uns als „Zöglinge“ auch auf diesen.
Die Stadt hatte 1982 kein Geld für solches Jubiläum, einige der „leitenden“ Genossen sollen es wohl auch vergessen haben, weil es ja eigentlich auch kein Jubiläum des noch aufzubauenden Sozialismus war, woran wir mächtig zimmerten. Jedes Stück Material für solch einen Umzug war auf irgendeinen Kontigentzettel in irgendeinem VEB vermerkt und darauf saß man wie die „Glucke auf dem Nest“. Jetzt kam die große Idee – Strausberg hatte einem Ehrenbürger, der Hoffmann hieß und Armeegeneral und Bürger dieser Stadt war. NVA hilf – die führenden Genossen zimmerten einen Plan, der für 1985 dann die 750 – Jahrfeier vorsah. Bis dahin waren „alle erforderlichen Maßnahmen abzustimmen“, die es möglich machen sollten, dass die NVA-Soldaten in solch einem Umzug in erforderlicher Anzahl durch die Stadt marschierte, nicht nur als NVA sondern als verkleidete Minnesänger, Landsknechte, Krämer, Pastoren, Schuster, Weber und Rot-Frontkämpfer. So war es dann auch, die Feier fand statt, es gab gegenüber der Sparkasse eine Tribüne mit den politischen Honoren und Generalen, es wurde ein toller Film gedreht, die Stadt bekam von der großen Parteiführung in Berlin den „Kampforden“ – ich weiß jetzt aber nicht für welchen gewonnenen oder noch bevorstehenden Kampf, und die Stadt war voller Menschen, denen das ganz gut gefallen hatte – mir auch. Übrigens – wer Interesse an diesem Film hat…
Nun sind aber in Potsdam ganz neue Geschichts- und Jubiläendeuter aufgetaucht, die dafür plädieren, dass man von der Landesregierung erst eine Genehmigung für solch ein Jubiläum bekommen muss, selbstverständlich auf Antrag. Das soll „Ordnung“ ins Jubiläums-Chaos der rund um Berlin liegenden Orte bringen. Diese neuen „Deuter“ sind der Auffassung, dass wir, das heißt die Orte, noch viel zu jung seien um so alt zu sein, um solche tollen Jubiläen zu feiern. „Also, Ihr da in Strausberg, Ihr seid ein viel zu junges Kaff“, um schon über die 775-Jahrfeier nachzudenken! Das ist bei den anderen Nachbarn wohl bis auf wenige Ausnahmen auch so. Doch die haben aber schon und wollen auch noch, manche sogar mit Beschluss der Gemeindevertretung , ihre in ihren Analen festgeschriebenen Jubiläen feiern und wollen die neuen „Deuter“ keinen Schritt über die „Grenzgräben“ ihrer Gemeinden kommen lassen mit irgendeinem Wisch und dem Nachweis über die quasi „Jungfräulichkeit“ der Ortsgründung . Sind das überhaupt Brandenburger, dass die uns hier in die Suppe spucken und woher haben die ihr „Besserwissen“?
Hach, wie wehrhaft sind wir doch in diesem zentralistischen, auf Potsdam fixierten und daneben „nischt“, schönem Land Brandenburg. In Strausberg soll nun die 775 –Jahresfeier im Jahr 2015 stattfinden. Hoffentlich vergisst das diesmal niemand von den Oberen und es sind ja zwischenzeitlich wieder genügend Private Betriebe vorhanden, nachdem wir den Sozialismus doch nicht wegen Materialschwierigkeiten so richtig aufgebaut bekamen, die nun eventuell solch ein Jubiläum mit gestalten wollen – wenn man nicht so schmollt wie beim Markt.
Die Bilder von der „Kleinen Chronik“ als Festschrift zur 725 – Jahrfeier incl. Quellennachweis der klugen Gedanken und „Sponsorenliste“ findet man bei „725 – Jahrfeierfestschrift“.
Welch ein Durcheinander. Ich habe mich schon gewundert, warum es so ruhig ist. Die 750-Jahrfeier ist 1985 für mich wegen des GST-Wehrlagers ausgefallen. Nun müßte es eigentlich 2010 wieder ein Jubiläum geben.
Es ist wirklich richtig ruhig um dieses Jubiläum geworden. Eigentlich hätte es ja im Jahre 1982 das “750Jährige” geben müssen – nach bis dahin geltender Zeitrechnung. Aber es war im Jahr auch kein Geld dafür vorhanden. So “untermauerte” ein sozialistischer Historiker, dass das Jahr 1985 das eigenlich richtige Jahre wäre um das “750Jährige” zu begehen. Nun haben wohl ganz andere Historiker herausgefunden, dass wir noch viel jünger sind als wir uns alt fühlen. Also wird es im Jahr 2010 auch nichts sondern später….dann ist aller Voraussicht wieder kein Geld dafür im Strumpf! Wer weiß es überhaupt???
Da kann dem Mann wohl geholfen werden…muss ich nur noch aus den Kisten kramen.
Bekunde hiermit Interesse an dem Film. Evtl. bin ich ja da sogar zu sehen. Kann mich nämlich noch ganz gut an den Umzug erinnern – als Mitmachender. Also falls da irgendwo im Film ein GST-Kutter hinter einem LKW auftaucht, dann bin ich an dem Filmschnipsel interessiert.