Meine Weihnachtsgeschichte

Wer vielleicht eine nette Geschichte für die Kinder und Enkel im üblichen Sinne erwartet, zu Weihnachten werden in vielen Familien solche Geschichten aus alten und neuen Büchern, mitunter übers Jahr im Bücherregal abgelagert, die Fantasie der Lütten inspirierend erzählt – nö ist ganz anders.
Diese Geschichte ereignete sich eigentlich so richtig am 22. Dezember. Nicht mit Ho,ho, ho des Weihnachtsmannes ursprünglich sondern mit einer Brillenverordnung meiner Augenärztin und dem noch vorhandenen fast latenten Eindruck der TV-Werbung „bei Apollo Optik 50% auf alle Brillengläser als Weihnachtsaktion“. Na das war doch schon mal was!

Also kurz entschlossen ins Strausberger Handelszentrum gesteuert und im dortigen Geschäft mit genanntem Preisnachlass mal meine Aufwartung gemacht. Eine freundliche Mitarbeiterin kümmerte sich sofort um mein Anliegen und um mich. Bei der zu klärenden Frage zur Qualität der Gläser einer neuen Bille bin ich auf die „Super-alles könnende-Ausführung“ hingewiesen worden. Das war ja echt nicht schlecht, das Angebot – eine fertige Brille mit supertollen Gläsern mit gleitender Sicht und nettem von meiner Frau auch akzeptierten Gestell an 500 Euro… so etwa!
Nur dumm für mich, so kurz vor Weihnachten sind die vielen, vielen Euros bereits für Medikamente und Ärzte verbraucht und der überschaubare Rest war in Weihnachtsgeschenke angelegt – ich bat um Nachsicht und Milde.

“Macht nichts, ist ja bald wieder Rententag und die Brille wird ja auch nicht vor Januar fertig, außer eine entsprechende Anzahlung kommt die Rechnung dann mit der Brille im Januar. Einen Sehtest machen wir vorher auch noch, das mit der Augenärztin ist ja schon gut 4 Wochen her, da kann sich etwas verändert haben“.
Kurzes Nachdenken meinerseits – was soll sich mit der Feststellung „eines leichten grauen Stars ohne diabetische Einflüsse“ nun in gut 4 Wochen verändert habe, dass nun noch genauer als die Ärztin gemessen werden soll.
Also von der zumindest vom Namen auslaufenden Aktion wollte ich mich auch nicht gleich mal so zum entschlossenen „Ja, will haben“ hinreißen lassen trotz der mich beeindruckenden Freundlichkeit. „Wenn Sie darauf bestehen, können Sie natürlich auch Gläser nach den Werten Ihrer Ärztin bekommen“. Ho, ho, ho ich dankte schön sagte nicht „Ja, will haben“ und steuerte darauf in die Stadt.

Das Auto im Parkhaus abgestellt versprach einen Spaziergang durch die Große Straße. Der Verkehr in dieser und aus allen Straßen daneben war schon dramatisch fast schon chaotisch. Es hatte den Anschein, dass Chauffeure großer und vor allem anscheinend teurer Karossen extra Verkehrs- und Parkbedingungen mit dem Kauf im Autohaus auf der Preisliste hatten. Fußgänger waren denen unterlegen, die Fahrer auch darauf sorgsam achteten, dass eine andere Karosse ihnen keine Schramme verpasste. Einige wollten scheinbar die Fußgänger vom Queren der Seitenstraßen davon abhalten, ihnen versuchsweise über die Zehen zu fahren. Als Fußgänger hatte ich natürlich auch Verständnis dafür, dass man, nach dem das Auto 20 – 40 Tausend Euro gekostet hat, nun kein Kleingeld für die fällige Parkgebühr mehr locker hat, obwohl die eine oder andere Karosse nicht neben dem Bürgersteig sondern halb auf ihn stand. Einer aussteigenden pelzverbrämten Beifahrerin zeigt ich den 10 Meter weiter stehenden Automaten – „Ist ja ganz schnell und gar nicht zum Einkaufen…“ Schwindeln ohne rot zu werden, es war vor Pelz oder was es darstellen sollte ohnehin nicht zu sehen.
So werden wir in der Strausberger Innenstadt nie Ordnung und Übersicht rein bekommen. Die von der SPD-Fraktion über Jahre politisch favorisierte Fußgängerzone wäre wahrscheinlich schon aus einem wichtigen Grund nicht durchsetzbar gewesen – „Höchste Gefahr für die Fußgänger im Verzug!“ Es geht zu wie auf einem Jahrmarkts – Scooter!

Es war für mich wirklich erstaunlich festzustellen, dass es trotzdem noch genügend Fußgänger gab, die dem Druck der Autofahrer trotzten. Ich reihte mich brav am Rande der Großen Straße ein, kein Gedanke an eine gefährliche Überquerung dieser. So kam ich bei Fielmann an. Sofort wurde ich von einer netten Dame im Empfang genommen „Wo können wir Ihnen helfen?“ Nach den Eindrücken der letzten 500 Meter Große Straße war das echt toll!
Eine ausführliche Erklärung zu Gläser-Varianten und zu möglichen Gestellen ließen die etwa 30 Minuten dort im Laden schnell vergehen. Nun wollte ich weiter vergleichen, doch ein Anruf meiner Frau stimmte mich zur Umkehr in Richtung Parkhaus. Also zu den Optikern Frenzel und Wolf zu gehen steht noch für den Januar an – nach dem Rententag.
Jetzt hatte ich Mut und überquerte die Straße mit dem irren Verkehr wegen der tollen Botschaft, dass jetzt nach 24 Jahren Leerstand vielleicht das Haus der Georg-Kurtze-Str. 1 vom Eigentümer saniert werden könnte.

Als ich mich der Ampel am Lustgarten näherte, fiel mir das Schild eines weiteren Optikers ins Auge – Brille 96. Na toll, das schafft man noch, ist ja fast auf dem Weg.
Ich trat ein und der Inhaber oder so etwa saß mit einem Telefon am Ohr in seinem Sessel hinter einem kleinen Tisch. Mit dem Finger deutete er auf das Telefon…. ein Platzangebot blieb dagegen aus. Eine leise dennoch hörbare Bemerkung am Telefon „Ist nur ein Kunde“, ließ mich ein wenig einsacken. „Ich bin in der Warteschleife, wenn ich raus bin dann fange ich von vorn an!“ Toll dachte ich, meint der ich bin blöde.
Ohne Anheben aus dem Sessel oder unterbrechen des Telefonates oder Platzangebotes offerierte mir der nette Telefonist beiläufig, dass es Brillengläser vom kleinen Preis bis zum Superpreis gibt, die Gläser und deren optische Möglichkeiten lassen das alles doch zu. Ich dankte und war mit einem noch höflichen Abschwung raus aus diesen Laden. Um mich zu vergewissern schaute ich noch einmal zurück, nach oben auf das Schild übern Laden – Tatsache, muss ein Optiker sein, „Brille 96“ GmbH steht da drauf. Ho, ho, ho das war das Erlebnis der besonderen Art.

Für die ganze „Brillen-Expedition“ in die Altstadt an diesem Tag hatte ich im Parkhaus 30 Cent zu berappen und war ziemlich missmutig, weil ich nur Kunde bin, kurz danach wieder zu Hause.
Nachmittags hatte ich etwas gegoogelt und mir einen Auszug aus dem Internetangebot von „Brille 96“ kopiert:

Zitatbeginn:
Besuchen Sie uns! Wir beraten Sie gerne, kompetent und individuell. Fragen Sie nach unseren aktuellen Angeboten! Wichtig! Vergleichen lohnt sich immer!
Zitat zu Ende

In aller Freundschaft oder mein lieber Scholli, in einer Hinsicht hat der ja richtig Recht – vergleichen lohnt sich immer! Der nette Telefonist ist bei mir mit seinem Superladen raus aus dem Rennen! Die Weihnachtstage brachten genug Gelegenheit das alles unseren lieben Gastgebern oder auch unseren Gästen zu erzählen. Man ist der Auffassung, dass sich der Fachberatungsanspruch des Gewerbevereins „damit total deckt“ – man ist ja nur Kunde. Es ist eigentlich ganz traurig, angesichts des mir bekannten Klagens der Gewerbetreibenden über ihre missliche wirtschaftlich angespannte Lage, sollte dennoch nicht unerzählt bleiben.
Sicher hatte ich mit meiner unbewussten Suche nach der Ausnahme um das Mühen um den einzelnen Kunden an diesem Tag und in diesem Laden eine Punktlandung gemacht.
Doch noch einmal werde ich auf keinen Fall dort eintreten wollen, diesem Laden kann ich mein Geld nicht ins Haus tragen. Es sind ja noch zwei Vergleiche in der Großen Straße demnächst möglich……
die Krux der Geschichte ist die, dass der Chef vom Gewerbeverein selbst Optiker ist!

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