Wieder einmal der Straussee – wie schon vor Jahren beschrieben

Es war sie nun da, die seit dem Frühjahr erst latente und im Sommer losgetretene öffentliche Darstellung einiger Akteure in der Strausberger Politiklandschaft – der rapide abgenommene Wasserstand des Straussees.
Daß zu Strausberg auch noch andere Seen und Gewässer gehören, die schon seit Jahren kaum noch oder gar kein Wasser mehr haben, spielt in der Diskussion absolut keine Rolle. Erst sollte es ein externes Gutachten sein, dann doch nicht weil keine Förderung in Sicht und eventuell zu teuer, jetzt sollen Studien von Studenten es machen und belegen was bereits 2009 ausgewiesene Wissenschaftler vom ZALF in Müncheberg in einer Vorstudie belegten. In der gewollten Bereitstellung der Mittel überschlugen sich förmlich einige Fraktionen – 100000 Euro scheinbar kein Problem!!!
Wohl wissend, dass ich als fraktionsloser Stadtverordneter ohne jegliche Ausschussbeteilung in der Diskussion zum Thema in der Stadtverordnetenversammlung von den Aktivisten, die ORB und ZDF ans Seeufer herbei karrten, zum aufgerufenen Thema in der Tagesordnung mehrheitlich und ganz demokratisch quasi “weggeputzt” werde, habe ich eine Erklärung vor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung abgegeben.


Erklärung SVV 29.09.2016
Stadtverordneter Jürgen Schmitz / Bürgermeister a.D.

Herr Vorsitzender, Frau Bürgermeisterin,

Meine einige Wochen dauernde Auszeit, wohltuende Entschleunigung, außerhalb von Strausberg brachte es dennoch mit sich, dass eine fast regelmäßige Information zu den politischen Aktionen zum Wasserspiegel des Straussees bis zum Balaton schwappten. Was mir als Außenstehender auffiel war, dass in den Berichten der MOZ und vom TV und Internet lediglich über eine Fraktion berichtet wurde.

Ich frage Sie, meine Damen und Herrn, ganz direkt – lebt jemand von Ihnen länger als 70 Jahre und zwei Monate wie ich in Strausberg? Warum diese Frage?
Ich selbst habe in meinem Leben in den 60iger Jahren zwei Mal diese aktuelle und jetzt zum politischen Alarm stilisierte Situation hautnah erlebt.
Es ist scheinbar auch inwischen ein Thema geworden, um eine Bürgermeisterin nach dem Motto „schaff Wasser ran“ zu treiben,die Gerüchte dazu haben schon mitunter absurden Charakter, oder ist es ein Thema für einen möglichen künftigen Bürgermeister?

Wie war es in den 60igern? Es war die Zeit, als noch die Jahreszeiten real vorhanden waren, kalte und schneereiche Winter, die Alten sagten „6 mal kommt der Frost mit Schnee“, und auch heiße Sommer mit Sonnenregen, Platzregen und ergiebigen Gewittern. Heißer Sommer mit Schöbel und Doerk ist etwas anderes.

Mein Großvater war in dieser damaligen Zeit Rentner-Fährmann mit Patent für die Binnenschifffahrt. Die Fähre setzte im heißen Sommern mit Wassertemperaturen von 22-23 und Tagestemperaturen auch von 30 Grad im Juli/August gut 15-20 Meter bei der Stadtseite auf Sand. Es wurden damals ganz praktisch Holzgestelle vor der Anlegestelle im See hingestellt, über Holzbohlen konnte die Fährgäste dann an Land kommen.
Das geht nach all den heutigen Haftungsgesichtspunkten nicht mehr zu bewerkstelligen. Auch stand neben der Anlegestelle ein kleiner Bagger, wer kennt so etwas noch unter „Himbeerpflücker“, um regelmäßig durch die Fähre angeschwemmten Sand aus der Fährrinne zu nehmen. Heute würden die Umweltschützer dagegen demonstrieren… Und baden sind wir auch gegangen und sind aber erst in den See gesprungen wo das Wasser war!
Die Idee vom Geschäftsführer der Stadtwerke zu Pontons sind aus praktischer Sicht meiner Auffassung nach sehr konkret und für die Zukunft überdenkenswert.

Damals verlief es immer in völliger Unaufgeregheit – es war noch nicht einmal durchs ZK die Situation zu ändern, obwohl das ZK mit Teilen auch in Strausberg heimisch war!

Im April 2010 bieten die Stadtwerke mit dem ssg.Naturwatt® erstmals Ökostrom an. Im Mai, am ersten Arbeitstag der Bürgermeisterin gab es eine Veranstaltung, die zweite Strausberger Energiekonferenz der Stadtwerke auf dem Flugplatz. Prof. Dr. Latif führte über Klimawandel und Erderwärmung aus – „Die Eisschmelze kommt nicht – sie ist schon da.“
Fast alle anwesenden Kommunalpolitiker nickten scheinbar voller Verständnis und zustimmend als er über den Wechsel von Trockenzeiten, Ernteausfällen bis zu Totalausfällen und Starkregenphasen durch die schon vorhandene und weiter zunemender Erderwärmung ausführte.

Was ist von diesen Erkenntnissen bei uns im praktischen Leben noch vorhanden?

Wer die bereits vorliegende Vorstudie zum Straussee genau gelesen und mit den Gegebenheiten des dargestellten Wasser-/ Regeneinzugsgebietes verglichen hat, diese Bereiche mal einfach selbst in Augenschein genommen hat wird festgestellt haben, dass die Hinweise und Berichte in den Medien dass die diesjährige Ernte auch bei uns katastrophal ist stimmt.
Rundum heißt für den Straussee die Umgebung nach Nordost und nach Nord in der Mindestausdehnung 10-15 oder mehr Kilometer. Es fehlte ist in den letzten Jahren der benötigte Regen und Schnee, auch vor allem für die Grundwasseranreicherung für unser Gebiet. So wie der Seewasserspiegel sich darstellt, ist das der Grundwasserspiegel des Grundwasserleiters 1. Eine Nachfrage beim Deutschen Wetterdienst zu Klima, Regen usw. hätte für verantwortliche Aufhellung gesorgt.
Der Jahreswaldbericht Brandenburg bescheinigt den Wäldern eine Verbesserung bei den Nadelgehölzen hinsichtlich Anfälligkeit von Krankheiten – dennoch sind die Wälder zu trocken. Nach wie vor gelten heute in halb Brandenburg östlich von Berlin die Waldbrandstufe 3.

Ich selbst sehe keinen praktischen Nutzen politisch zu agieren um „Gegenmaßnahmen einzuleiten“ – Welche?, solange notwendige hintereinander nach Osten durchkommende lang andauernde Regengebiete es nicht bis in unsere Breiten schaffen, solange die Zeiten von schneereichen lang anhaltenden Wintermonaten immer knapper werden, wird es kaum Füllung für unseren Seen geben. Wie soll die Verwaltung den bisherigen Grundwasserrückgang aufhalten oder ausgleichen?
Was man heutzutage mitunter einer/einem Bürgermeister so alles zutraut!!!!

Die Oder bei Frankfurt ist fast zu Fuß zu queren, der Helenesee hat inzwischen einen ziemlich breiten Uferstreifen, der Haussee in Hönow gibt inzwischen 25 Jahre im See geparkte Autos (MOZ 23.09.) wieder zur Freude der Polizei her, der Herrensee ist inzwischen teilweise zu einer dauerhaften Pampe verkommen, das Annafließ ist schon seit einigen Jahren ganzjährig trocken.
Es ist eben nicht nur der Wasserspiegel im Straussee!
Da fallen die täglichen 350Kubikmeter der Sparkassenklimaanlage insgesamt nur marginal ins Gewicht und die Umweltbehörde Märkisch-Oderland will nichts dazu sagen.

Doch wir selbst sind nicht ganz von Vergehen frei, denken Sie bitte nur an die vielen von uns und vor uns versiegelten Flächen in der Stadt für die vielen gewollten Baumaßnahmen. Anderseits hat sich der Umweltausschuß meines Wissens nach seit Vorliegen der Erkenntnisse der Vorstudie seit fast 7 Jahren noch nie gründlich mit der Thematik befasst, leider.
Als Geschäft der laufenden Verwaltung kann die Bürgermeisterin das Thema der Wasserwerke des Wasserverbandes eingehend mit allen rechtlichen Möglichkeiten prüfen zu lassen. Das Landesumweltamt mauert da scheinbar etwas oder erstellt Zweckbewertungen.

Lt. Moz versorgen den Wasserverband vier Wasserwerke – drei sind in unserem Bereich Strausberg, Bötzsee und Eggerdorf. Alles fließt danach als Abwasser nach Berlin mit der Vorflut Spree und letztlich nach Hamburg in die Nordsee. Wird unser Gebiet leergepumt? Wie wird die Bundeswehr versorgt? Noch immer autarc?
Ist das neue Wasserwerk Bötzsee mit allen ordentlichen Genehmigungen ohne Einfluß auf den Straussee gebaut worden? Das kann die Verwaltung ohne politische Aktion selbst erledigen.
Frau Tack als damalige zuständige Ministerin ist wohl zwischenzeitlich etwas nervös geworden mit der Aktion im Landtag – ist das Pfeifen im Wald?
Das Mauern wird aus meiner Sicht weiter anhalten und die Seen füllender Regen oder Berge von Schnee, beides ist für viele von uns auch unangenehm, sind vorläufig nicht in Sicht…. oder wir beten im Schichtbetrieb zum Regengott

Nachtrag aktuell
Nun mögen ja alle denken was sie wollen, vor wenigen Jahren ist der See angesichts von vielen Regenfällen übers Jahr, sehr viel Schnee fast übergelaufen. Herrensee und auch der Schwanenteich hatten ausreichend Wasserstand, das Annafließ war nicht ausgetrocknet. Hoffentlich wird die Studie der Studenten früher fertig als dass ergiebiger Regen- und Schneefall einsetzt und gewonnene Erkenntnisse neutralisiert und diese quasi ins Wasser fallen. Am 17.11. hatte ich angesichts der “ergiebigen” Nieselregenfälle der vergangenen Tage die Bürgermeisterin zum aktuellen Stand des Pegels gefragt – “Es ist nicht weniger geworden”!!!
Fazit: Kleinregen macht den See nicht leer!

Comments are closed.