Aller Anfang ist schwer

Wie und wann war der Start in die Politik?

Eigentlich liegt mein Anfangszeitpunkt in der Strausberger Kommunalpolitik etwas früher als ich dachte zu schreiben. Der Beginn ist eine etwas andere Geschichte als die unmittelbare Wende- und Nachwendepolitik in Strausberg. Diese damalige Sache vor der Wende hat etwas damit zu tun, dass ich mich mit und in meinem Beruf als Elektromeister privat selbstständig machen wollte. Das war in der Zeit von 1980 bis 1990, wo ich beim damaligen Gebäudewirtschaftsbetrieb Strausberg als Konzessionsträger und Elektromeister tätig war. Übrigens ist aus diesem damaligen Gebäudewirtschaftsbetrieb am 15. November 1990 mit meiner Unterschrift als Bürgermeister bei einem Westberliner Notar die Strausberger Wohnungsbaugesellschaft geworden. Warum da und zu diesem Zeitpunkt dann wirklich etwas später.

Immer etwas selbst zu machen, war schon seit Jahren mein Traum gewesen. Diese Idee war eigentlich etwas schwer umzusetzen aber machbar. Man musste es irgendwie schaffen im sogenannten “Volkswirtschaftsplan” des Kreises aufgenommen zu werden wegen der “absoluten Wichtigkeit für die Versorgung der Bevölkerung”. So hieß das damals und man mußte sich eben etwas einfallen lassen, damit alle etwas von hatten und man eine Zustimmung zur Gründung seiner eigenen Privatfirma bekam. Heute nennt man das Antragslyrik! Zu diesem Zeitpunkt gab es in Strausberg und Umgebung mehr als genug Elektroinstallationsfirmen, neue und auch Familienbetriebe mit Geschichte.

Noch eine weitere Firma wollte ich zu diesem Pool nicht dazu tun, denn ich wußte von meinem Tun bei der Gebäudewirtschaft, wie das so mit der Materialversorgung so ist im realen Sozialsimus, denn dafür war ich selbst auch zuständig. Man mußte eben “Furz und Feuerstein” kennen. Immer wenn in Rostock ein Dampfer aus “Freundesland” anlegte oder in Schönefeld ein “lieber Freund der DDR” mit dem Flieger aufsetzte, dann wußten die sogenannten Maschinenbauhandelseinrichtungen der Region – von dort bezogen wir alle das immer knappe Material – dass die Knappheit noch einmal eben solidarisch gestreckt wird und die Knappheit als Einziges nicht knapp wurde.

Also nachdenken und ein anders Gebiet der Elektrikerei lieb gewinnen, das was kaum einer macht. Der große Einfall war dann der Bereich Straßenbeleuchtung, die in den meisten Orten kaum vorhanden und wenn vorhanden in der Regel durch Ausfall glänzte. Zu einem richtigen Betrieb gehört eben auch eine einigermaßen eingerichtete kleine Werkstatt mit einigen Arbeitsplätzen um etwas dort vorzubereiten oder zu reparieren. Nichts einfacher als das dachte ich und hatte aber wohl noch nicht an ein wirklich ausgeklügeltes System der einem freundlich anlächelnden Verhinderung gedacht.

Werkstatt bauen – da dachte ich an den Bauplan und nichts wie hin Abends nach Feierabend zum nicht nur mir bekannten Bauingenieur, der mir den Plan gegen ein für heutige Verhältnisse lächerliches Feierabendgeld zeichnete. Dafür kümmerte ich mich um sein Garagenlicht. Dann wurde der Plan in dreifacher Ausfertigung zwischen zwei Schnellhefterpappen mit einem eigenhändig unterschriebenen Antragstext eingeklemmt und schnell gehoften und zum Sprechtag am Dienstag ins Bauamt zum damaligen Stadtbaumeister Tschauder und seinem Bereich gebracht. Ich dachte, dass jetzt alles auf einem guten Weg ist, weil die Bevölkerung auf meine Taten wartete. Ernüchterung – statt der Eingangsbestätigung bekam ich mit einem freundlichen Lächeln und einer Bemerkung “Wieso Werkstatt, Sie haben doch noch kein Gewerbe” und ich hätte ja “kein Kontingent für Baumaterial” meinen ganzen sorgfältig schnellgehoftenen Papierkram zurück.

Resignation – Fehlanzeige, das kam nicht in Frage und du wirst es schon den kleinen Rackern von Verhinderen zeigen, dass es weitergeht! Wer war der nächste dafür zuständige Bereich für die Gewerbegenehmigung?
Das war beim damaligen Rat des Kreises die ÖVW (Örtliche Versorgungswirtschaft). Also den darauf folgenden Dienstag mit einem anderen Antragstext gestartet und in die Strausberger Klosterstraße in das ganz große Gebäude der damaligen Obrigkeit gegangen. Das richtige Zimmer war schnell gefunden und der nette Herr, der beim Kreis Genosse genannt wurde, hieß auch so. Er nahm von mir die Unterlagen mit ernstem Blick entgegen. Erklärungen meinerseits waren nicht gewünscht und nicht nötig “da man prüfe” und das soll dauern, auf drei bis vier Wochen sollte ich mich schon mal einrichten. Was hilft es, wenn die Staatsmacht die viele Zeit sich für mich nimmt – das war schon was!

Mit Hingehen und Zusage abholen war nichts, ich hatte es bequemer. Nach etwa 14 Tagen lag ein Brief dieser besagten ÖVW im Briefkasten mit der Formulierung, dass einer von mir beantragten Gewerbegenehmigung nicht zugestimmt werden kann, so die Prüfung ergeben hat, dass ich über keine Gewerberäume wie Werkstatt etc. verfüge. Diese Logik hat mich dann doch platt gemacht, was sonst so einfach nicht geschah. Ein Genosse Staatsdiener und Stadtbaudirektor im alten Stadthaus sagte “keine Werkstatt weil kein Gewerbe” und der andere Genosse Staatsdiener und Bevölkerungsversorger sagte” kein Gewerbe weil keine Räume, Werkstatt vorhanden oder gebaut”. vw-001.jpg
Das trug sich im Frühjahr des Jahres 1988 zu. Kein Wunder dass die DDR dann gut ein Jahr später feste wackelte, solche Genossen wie beschrieben gab es sicher sehr viele in der damaligen DDR. Ob die bei ihrem Tun nachdachten, weiß ich nicht. Was ich mit Sicherheit weiß ist, dass sie sich absolut wichtig vorkamen in ihrem Tun.

Die nächste Etappe demnächst….